Christine Bernard. Die Legende vom bösen Wolf (Paperback)

Krimi, Christine Bernard 4
ISBN/EAN: 9783862825660
Sprache: Deutsch
Umfang: 296 S.
Format (T/L/B): 2 x 19.5 x 13.2 cm
Einband: Paperback
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Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen. Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos? Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach Beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf? Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nach dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.
Michael E. Vieten, Jahrgang 1962, wuchs in Düsseldorf und Ratingen auf. Danach verbrachte er den Großteil seines Lebens im Norden Deutschlands. Er lebt und arbeitet heute im Hunsrück mit Blick auf den Hochwald. Vieten ist gelernter Hotelkaufmann, später wechselte er in die IT-Branche. Das Schicksal des letzten Wolfs in den Wäldern des Hunsrücks inspirierte ihn zu der Erzählung "Der letzte Wolf des Hochwalds", die er in seiner Mystery-Sammlung "Unheimliche Begegnungen - Aus der Zwischenwelt" veröffentlicht hat, und auch zu Christine Bernards viertem Fall.
Die Legende lebt Der klagende Ruf der einsamen Krähe wäre nicht nötig gewesen. Die Szenerie an diesem frühen Vormittag war gespenstisch genug. Gestalten in abgestuftem Grau stapften schweigend durch den wabernden Dunst. Hier ein Murmeln. Dort ein Flüstern. Hin und wieder ein verhaltener Fluch. Jemand hustete leise. Die Kälte der eisigen Nacht hatte sich nicht vertreiben lassen. Von wem auch? Die Sonne mühte sich seit Stunden durch den zähen Bodennebel. Der hatte das Land am Morgen mit Reif überzogen und gleichmäßig in ein grelles Weiß getaucht. Dort wo die Sonne eine Schlacht gewann, tropfte es aus den Kronen der alten Buchen herab, von denen man nur ein kurzes Stück ihrer mächtigen Stämme sehen konnte. Der Rest des Waldes verschwand nach ein paar Metern im zähen Nebeldunst, der die von der Sonne gerissenen Lücken in seinen Reihen eilig schloss. Ein dunkler Wagen tastete sich heran. Seine unteren Scheinwerfer glitten dicht über den Boden hinweg. Feinste Wassertröpfchen tanzten in den Lichtstrahlen. Vor dem Absperrband hielt er an. Der Motor wurde abgestellt. Die Scheinwerfer erloschen. Eine junge Frau mit langen, dunklen Haaren und ein etwas größerer, grimmig dreinblickender Mann stiegen aus und warfen die Türen zu. Sofort legte sich die Morgenkühle wie ein Netz auf ihre Gesichtshaut. Dann schoben sie sich unter dem Flatterband hindurch und ließen zwei frierende Besucher des Tierparks dahinter zurück. Eine der helleren Gestalten löste sich von einer Gruppe Dunkelgrauer und ging den Neuankömmlingen entgegen. "Scheiße, ist das kalt heute", beschwerte sich der mit einer kurzen Lederjacke bekleidete Hauptkommissar und rieb seine Hände aneinander. "Das fühlt sich kälter an, als es ist. Kommt durch die Feuchtigkeit in der Luft", belehrte der Polizeihauptmeister der Spurensicherung seinen Kollegen und zog sich die Kapuze vom Kopf. Nass fiel ihm das zerzauste Haar in dunklen Strähnen ins Gesicht. Die feinen Wassertröpfchen im Nebel benetzten eben nicht nur den Wald und die Landschaft. "Was ist passiert?", erkundigte sich die junge Kollegin und schaute Günther Hagemann erwartungsvoll an. "Haben euch die Kollegen vom Kriminaldauerdienst nicht informiert?" "Nur über einen Leichenfund im Tierpark." "Ha! Der war gut", platzte es aus Polizeihauptmeister Hagemann in ungewohnter Weise heraus. "Ich wäre froh, wenn wir so etwas wie eine Leiche hätten." "Also keine Leiche?", runzelte Kommissarin Bernard ihre Stirn und zog den Reißverschluss ihrer Jacke komplett zu. "Nur Stücke davon. Die Reste eines Arms und Teile des Schädels haben wir sichern können. Alles andere ist weg." "Vergraben?" "Nee, gefressen! Und die abgenagten und zerbissenen Knochen liegen über das gesamte Gehege verstreut." Ein Schauer lief Christine Bernard über den Rücken, und ihr Blick suchte im Gesicht von Jörg Rottmann nach dessen Reaktion. Doch der erfahrene Hauptkommissar verzog keine Miene. Zu viel hatte er im Laufe seiner Dienstjahre bei der Trierer Kriminalpolizei erleben müssen, als dass ihn noch irgendetwas hätte überraschen können. "Was ist das denn für ein Gehege?", fragte er und versuchte gleichzeitig mit einem prüfenden Blick den dichten Nebel zu durchbohren, um dahinter eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. "Wölfe", knurrte Günther Hagemann und blickte in die gleiche Richtung. "Ein ganzes Rudel." "Wo sind die jetzt?", erkundigte sich Kommissarin Bernard argwöhnisch. "Im Nachbargehege. Ab und zu schleicht einer am Zaun vorbei. Die anderen sieht man nicht. Aber sie beobachten uns. Ich kann ihre Blicke förmlich spüren." Jörg Rottmann hob beschwichtigend seine Hand und sah auf den um einen Kopf kleineren Leiter der Spurensicherung herunter. "Nun übertreib mal nicht." Christine fand nicht, dass der Polizeihauptmeister übertrieb. Ihr gruselte es auch schon bei dem Gedanken daran, gleich ihre Ermittlungen in dem Gehege aufnehmen zu müssen, während hinter einem dünnen Maschendrahtzaun ein großes Rudel Wölfe herumschlich. Wenigstens setzte